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inCare - The Intelligent Case Record

Digitale Patientenpfade als Baustein für die intelligente Fallakte-Technologieentwicklung und Erprobung am Beispiel der telemedizinischen Anwendung in der geriatrischen Versorgung

Hintergrund

Geriatrische Versorgungskomplexe gelten heute als eine der wesentlichen Herausforderungen, die mit der Alterung der Bevölkerung einhergehen. Zeitknappheit, fehlerhafte und schlecht dokumentierte Aufnahme-Assessments sowie unzureichende Informationen über vorherige Behandlungsschritte stehen beispielhaft für die Menge an unmittelbaren Problemen aufseiten der Leistungserbringer der geriatrischen Versorgung. Zeitgleich werden patientenseitige Potentiale einer systematischen Patientenschulung und Aufklärung nicht erschöpft. Aufgrund dieser und weiterer Ursachen ist derzeitig eine erhöhte Prävalenz beim Sturzsyndrom und damit verbunden ein erhöhtes Risiko stationärer Aufenthalte sowie der Pflegebedürftigkeit zu beobachten. Klinische Dokumentationssysteme sind heutzutage nicht auf die Koordination einer integrierten (geriatrischen) Versorgung ausgerichtet. Vielmehr wird der institutionen- und sektorenübergreifende Versorgungsprozess bisher nicht zentral gesteuert und Patienten bzw. deren Vormund wird nur eine unzureichende informatorische Teilhabe ermöglicht. Somit können folgende Kernprobleme festgehalten werden:

  1. Geringe regionale Abstimmung innerhalb definierter Versorgungskomplexe, wie der geriatrischen Versorgung von Patienten mit Sturzsyndrom.
  2. Geringe informatorische Integration und Auswertung integrierter Versorgungsmodelle.
  3. Fehlen von etablierten und überwachte Prozessstandards im Sinne von Behandlungspfaden.
  4. Mangelhafte digitale Informationsbereitstellung für den Patienten außerhalb der gesetzlichen Mindestforderungen (d.h. neben dem papierbasierten Arztbrief bzw. den voraussichtlichen Vorgaben des Digitalen Versorgungsgesetztes).

Ziele

Im Mittelpunkt des vorliegenden Projektes steht die digitale Umsetzung eines integrierten geriatrischen Versorgungspfades zur Prävention, Identifikation und bedarfsgerechten, sektorenübergreifenden, koordinierten Versorgung von geriatrischen Schlaganfallpatienten mit Sturzsyndrom. Dazu soll für den Symptomkomplex des geriatrischen Patienten mit Sturzsyndrom eine Musterlösung geschaffen werden, die die Therapieadhärenz und Leitlinienkompatibilität verbessert sowie bedarfsgerechte Informationsweitergabe realisiert. Neben Leistungserbringern soll auf dieser technologischen Basis insbesondere die Teilhabe der Patienten am Versorgungspfad ermöglicht und somit auch eine Mehrwertanwendung für die künftige Telematikinfrastruktur geschaffen werden. Für die beteiligten Leistungserbringer (Hausärzte, Pflege, Fachärzte) wird zudem ein informatorisches Fundament geschaffen, über das eine verbesserte Koordinierung und insbesondere Auswertung der Versorgung erfolgen kann. Hierbei sollen bestehende Dokumentationssysteme über den gesamten Versorgungspfad hinweg integriert werden, ein integriertes Pfadauswertungssystem als Teil einer „intelligenten“ Fallakte implementiert und die Auswertung aufbereitet werden. Neben strukturierten und semantisch definierten Verlaufsdokumentationen soll diese Fallakte auch Vergleichsinformationen bereithalten, die auf Basis der Auswertung ähnlicher bzw. gleicher Versorgungsabläufe mit Hilfe von Big Data-Ansätzen erzielt werden konnten. Ziel ist somit die Erweiterung der ohnehin notwendigen Dokumentation um einen Bereich, in dem für Patienten und Leistungserbringer behandlungsübergreifende Primär- und Sekundärdaten mit Methoden der künstlichen Intelligenz ausgewertet und aufbereitet werden.

Abbildung: Wirkungszusammenhänge Integrierter Versorgungspfade und Data Mining einer Intelligenten Akte

Die Maßnahme sieht vor, das bereits vorhandene und gelebte Prozesswissen der täglichen Versorgungspraxis innerhalb der anfallenden Dokumentationsdaten zu identifizieren, zusammenzuführen und pfadbasiert auszuwerten. Den beteiligten Akteuren ist bislang diese Informationsbasis (insb. das implizite Prozesswissen über die Gesamtmenge der Versorgungsdaten) in den seltensten Fällen weder vollumfänglich bekannt noch verfügbar. Dazu müssen, wie in Abbildung 1 illustriert, unterschiedlich dokumentierte Tätigkeiten aus verschiedensten Datenpools und Systemen zusammengeführt sowie analysiert werden. Um Menge und Heterogenität der teils strukturierten teils unstrukturierten Informationen zu beherrschen, werden hierbei Data Mining Methoden und Systematiken aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz verwendet. Zudem müssen die Versorgungsdaten zielgruppen-spezifisch   aufbereitet und datenschutzrechtlich integer behandelt werden. Daher stellt die Aufbereitung und Bereitstellung (Provision) der klinischen Falldokumentation für den Patienten bzw. dessen Angehörige einen wesentlichen Schwerpunkt der Maßnahme dar (Monitoring via Patientenportal/Partienten-App). Die so entstehende Systematik und Datenbasis gibt im Umkehrschluss auch für die Leistungserbringer wichtige Informationen für die aktive Steuerung der Risikofaktoren entlang des Versorgungspfades und trägt somit auch als Baustein für ein integriertes Qualitätsmanagement bei. Dieses Nutzenpotential äußert sich sowohl auf der Fallebene der individuellen Versorgungsleistungen (Monitoring) als auch auf der Meta-Ebene der Integrierten Versorgung geriatrischer Patienten mit Sturzsyndrom durch kontinuierliche Evaluation der Klinischen Pfade (Improvement).

Ansprechpartner: Dipl.-Wirt.-Inf. Thure Weimann